Die Stadt Lemgo beabsichtigt die Sanierung und Erweiterung oder alternativ den Neubau der Grundschule Kirchheide. Im Rahmen umfangreicher Prüfungen wurden beide Möglichkeiten untersucht. Da keine Favorisierung herausgearbeitet werden konnte und beide Varianten ihre Vor- und Nachteile haben, wurde politisch beschlossen, in den einstufigen, nichtoffenen Wettbewerb zu gehen, um die beste Lösung unter Abwägung aller Vor- und Nachteile zu finden.
Einen dritten Preis, für den besten Neubauentwurf, erhält unser Beitrag zum hochbaulich- freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb „Neubau Grundschule Kirchheide in Lemgo“, gemeinsam erstellt mit Kortemeier Brokmann Landschaftsarchitekten GmbH.
Auszüge aus der Jury- Bewertung (Protokoll der Presigerichtssitzung):
Die Freianlagen des Entwurfs umfassen vier Bereiche: den Vorplatz mit Zufahrt und Stellplätzen, den Schulgarten, den Schulhof und ein benachbartes Regenrückhaltebecken. Die Bereiche sind gut strukturiert und fügen sich in die Landschaft ein. Besonders das terrassierte Gelände mit Spielangeboten bietet vielfältige Nutzungsmöglichkeiten.
Die innere Struktur, Organisation und Umsetzung des Raumprogramms wurde hervorragend gelöst: Sowohl in der Formulierung eines öffentlichen aktiven Hauses im Eingangsgeschoss auf Straßenebene und durch die optimale Positionierung und Aufteilung der Verwaltung als auch in den lichten, transparenten und variabel bespielbaren Clustern in beiden Geschossen übereinander. Erschließung und Wegeführung mit Lage von Hausmeister und Sekretariat sind optimal für die Orientierung und das Sicherheitskonzept.
Leitidee & Entwurfskonzeptes
Leitidee ist die Schaffung eines optimierten, in hohem Maße funktionsgerechten Schulgebäudes, das dem pädagogischen Konzept der Grundschule in höchstem Maße gerecht wird. Dies ist unseres Erachtens durch Umbau und Erweiterung des vorhandenen Gebäudebestandes nicht in dem Maße möglich, wie es den heutigen Ansprüchen und dem Kindswohl entsprechend notwendig wäre. Die Verfasser haben sich demzufolge entschieden, ein modernes, energieeffizientes und aus weitgehend ökologischen und nachwachsenden Rohstoffen errichtetes neues Gebäude auf dem zur Verfügung stehenden Grundstück zu errichten.
Städtebauliche Einbindung
Das neue Schulgebäude stellt durch seine abgestaffelte und dem Gelände folgende Architektur städtebaulich einen markanten Abschluss der vorhandenen, heterogenen, dörflichen Siedlungsstruktur her und ist gleichzeitig auch eine prägnante Begrenzung der Streuobstwiese im Übergang zur freien Kulturlandschaft. Der Eingangshof bildet zusammen mit den angrenzenden und über einen gestalteten Böschungsbereich angebundenen Schulhofflächen einen, durch unterschiedliche Nutzergruppen nutzbaren Freibereich mit hoher Aufenthaltsqualität. Durch die Anbindung über eine Brücke an die vorhandene Grünachse der Streuobstwiese wird der Neubau organisch an die Siedlungsstruktur angebunden.
Freiraumplanung
Die Freianlagen der Grundschule gliedern sich in die vier Bereiche Vorplatz, Zufahrt mit Stellplatzanlage, Schulgarten und Schulhof mit Retentionsbecken, die funktional und gestalterisch zusammengeführt werden. Zu allen Himmelsrichtungen hin wird das Schulgebäude von Freiräumen mit grünem Charakter umgeben und bettet sich somit harmonisch in das ländliche Setting ein.
Über den Wilhelm-Stölting-Weg aus dem Ortskern kommend, erreicht man zuerst den offen und einladend gestalteten Vorplatz, von dem aus sowohl der Haupteingang als auch der OGSBereich gut erreicht werden. Der Vorplatz bietet viel Raum für das Ankommen und Abholen, aber auch Abstellmöglichkeiten für Fahrräder oder Aufenthaltsmöglichkeiten unter Bäumen.
Zufahrt zur Anlieferung wie auch Stellplätze sind aus Gründen der Schaffung des zuvor genannten grünen Übergangs zur Landschaft mit Rasenkammerstein befestigt sowie mit Baumpflanzungen überstellt. Eine kleine Terrasse bietet vor der Mensa Möglichkeit zum Aufenthalt im Freien.
Dem Kunstraum im UG vorgelagert befindet sich der ebenfalls sehr zurückhaltend befestigte Schulgarten und ein kleiner Werkhof. Hier kann sowohl Unterricht im Grünen stattfinden als auch Gemüse und Obst angebaut werden.
Der zentrale Schulhofbereich entwickelt sich im Westen des Gebäudes auf Ebene UG und ist geprägt von einem baumüberstandenen Spielbereich im Norden, sowie einem Soccer-Forum im Süden. Der nördliche Spielbereich bietet sonnengeschützten Raum für großmaßstäbliche Spielgeräte, die in den kurzen Pausenzeiten möglichst vielen Schülerinnen und Schülern Möglichkeiten zur Bewegung anbieten. Der Hang hoch zum Vorplatz wird ebenfalls mit einbezogen; Kletter- und Rutschelemente bieten hier zusätzliche abwechslungsreiche Aktivitätspunkte.
Das Soccer-Forum im südlichen Teilbereich kann sowohl für Ballspiele als auch als zentraler Treffpunkt für Schulveranstaltungen unter freiem Himmel genutzt werden. Die Absenkung um 50 cm verhindert das „Herauskullern“ von Bällen, erzeugt Sitzmöglichkeiten für Veranstaltungen, und bietet bei Starkregenereignissen zusätzlichen Stauraum.
Eine eingegrünte Stützmauer grenzt den Schulhof nach Westen ab und bildet den Übergang zum tiefer gelegenen Regenrückhaltebecken, welches mit flachen Böschungen ausgebildet werden kann. Das RRB kann über eine Steganlage, die den Schulhof an die Obstwiese und somit den Ortskern anbindet, gequert werden.
Als Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung dienen u.a. die Eingrünung des Grundstücks mit heimischen Gehölzen, die Baumpflanzungen mit Klimabäumen, die Verwendung hellen Pflasters zur Erhöhung des Albedo-Effekts, die Verwendung von Rasenkammersteinen zur Verringerung der Versiegelung und Förderung der Verdunstung, die Implementierung einer extensiven Dachbegrünung, sowie die Bewirtschaftung von Niederschlagswässern auf dem Grundstück.
Erschließung
Die Zufahrt zur Grundschule erfolgt über den Wilhelm-Stölting-Weg. Parallel zur Straße wir in Höhe des Schulgebäudes die Bushaltestelle und die Kiss & Drop Zone eingerichtet. Die Kinder gelangen so gefahrlos direkt auf den Eingangshof der neuen Schule. Fußläufig erreicht man das Schulgebäude vom Dorf aus über eine Wegeführung durch die Streuobstwiese.
Die Anlieferung und die begrenzte Anzahl der Stellplätze befinden sich auf der Ostseite der Schule und werden ohne Störung des Schulbetriebes vom Wilhelm-Stölting-Weg aus erschlossen. Auch die Feuerwehrzufahrt erfolgt über die Erschließungsstraße und den Eingangshof sowie zusätzlich über die Anlieferungszufahrt.
Innere Erschließung / Barrierefreiheit / Ver- und Entsorgung
Die innere Erschließung des Gebäudes ist sehr klar und übersichtlich gestaltet und durch kurze Wege gekennzeichnet. Foyer, Mensa Aula und Musikraum können durch bewegliche Trennwände zusammengeschaltet werden und bilden einen vielseitig nutzbaren Bereich, der auch für große und externe Veranstaltungen genutzt werden kann. Auch die Ver- und Entsorgung erfolgt völlig autark vom Schulbetrieb über die Anlieferung auf der Gebäuderückseite.
Die schulinternen Bereiche einschl. Verwaltung können problemlos separiert werden, die Verwaltung ist auch über einen Seiteneingang für die Lehrer erreichbar.
Die Lerncluster sind übereinander auf dem Eingangsniveau und im Hanggeschoss angeordnet und werden über das zentrale, ans Foyer angrenzende Treppenhaus bzw. auch barrierefrei über den Aufzug erschlossen. Die Klassenräume und der OGS-Bereich sind um eine gut proportionierte gemeinsame Mitte herum angeordnet und mit teilweise transparenten Wandflächenversehen. Alle Räume haben einen direkten Ausgang zum Freibereich, aus der oberen Ebene über den umlaufenden Balkon und von hier aus über die Außentreppen. Die überdachten Balkone bzw. der große Dachüberstand bilden hier gleichzeitig den regengeschützten Übergang zum Außenbereich
Funktionalität
Das fachlich geprüfte Brandschutzkonzept basiert darauf, dass alle Räume, insbesondere auch im Obergeschoss über direkte Ausgänge ins Freie verfügen. Die Fluchtbalkone sind jeweils in beide Richtungen entfluchtet, es sind somit bereits zwei Rettungswege vorhanden. Gleichzeitig verfügt jeder Cluster über einen direkten Ausgang über das zentrale Treppenhaus. Teamstation Garderoben und WC-Anlagen sind brandschutztechnisch vom Cluster getrennt, so dass sich die Clustergrößen trotz der großzügigen Mitte knapp unter 600 m² bewegen.
Materialien / Konstruktion
Das Schulgebäude ist als tragende Holzkonstruktion mit massiven Holzdecken geplant. Lediglich die Bodenplatte und eine erforderliche Brandwand sind in Massivbauweise in Beton bzw. Mauerwerk geplant. Die Außenwände werden als hochgedämmte Holzrahmenkonstruktion mit einer äußeren Bekleidung aus strukturierten Faserzementplatten erstellt. Die umlaufenden Balkone erhalten an den Längsseiten Stahlgeländer mit Füllungen aus Edelstahlgewebe während die Gebäudeecken mit einer Bekleidung aus weißen Faserzementplatten dem Gebäude eine signifikante Kontur erhalten. Im Kontrast hierzu ist der auch öffentlich nutzbare, im Wesentlichen aus großen Räumen bestehende Bereich aus Foyer, Mensa und Aula mit größerer Geschosshöhe und mit Klinkerfassaden ausgestattet. Sämtliche Fenster sind als langlebige Holz-Alu-Konstruktion geplant











